Information

Die in den DRGs geforderte aktivierende therapeutische Pflege
(OPS 8-550, 8-552, 9-200 sowie 9-500) ist Inhalt eines Bobath Pflegegrundkurses, sowie des -Aufbaukurses


Termine

Start der nächsten Ausbildung zum Praxisbegleiter Bobath BIKA® am 01.09.2017!
Jetzt informieren und bis zum 01.04.2017 anmelden.


Das Bobath-Konzept

Der Verein „Bobath Initiative für Kranken- und Altenpflege (BIKA®) e.V.“ wurde am 15. Oktober 1994 durch eine Gruppe von Pflegekräften mit besonderem Interesse am Bobath-Konzept gegründet.

Bedeutung des Bobath-Konzeptes für die Pflege

  • Das Bobath-Konzept setzt eine potenzialorientierte und problemlösende Herangehensweise an Befundaufnahme und Behandlung von Patienten mit erworbener Hirnschädigung voraus. Da die normale Bewegung Grundlage des Bobath-Konzeptes ist, beschäftigt es sich mit Muskeltonus und Bewegungsanbahnung, insbesondere mit der Anbahnung von funktioneller Bewegung. Im pflegerischen wie im therapeutischen Bereich geht es um einen Lernprozess des Patienten, der ineinander übergreift. Dieser Lernprozess wird im Rahmen von Bewegungsübergängen z.B. Körperpflege, Kleiden, Nahrungsaufnahme, Ausscheidung und Positionierung (Lagerung ) gestaltet.. Die Vermittlung dieser Inhalte kann pflegekompetent nur durch erfahrene Pflegepersonen erfolgen. Ergebnisse der Pflegeforschung ( z.B. Mikrolagerung, Prophylaxen usw.) werden dabei berücksichtigt.
  • Der Lernprozess des Patienten im Rahmen seiner Rehabilitation findet nicht nur während der Therapieeinheiten statt. Die Neuroplastizität macht ein 24-Stunden-Konzept des Lernens erforderlich. Deshalb müssen alle Berufsgruppen, die auf Haltung und Bewegung des Patienten Einfluss nehmen, also auch die Pflegenden, sich an den Prinzipien des Bobath-Konzeptes orientieren, um das Carry Over (Lernerfolg ) des therapeutischen Gesamtfortschritts zu sichern. Gezielte Wiederholungen erleichtern eine Automatisierung der Bewegungsabläufe und Handlungen. Durch Variationen wird dem Patienten die Möglichkeit von Modifikationen gegeben, was seinen Handlungsspielraum erweitert. Durch eine Automatisierung dieser Fähigkeiten werden zusätzliche Kapazitäten für z.B. mehr Aufmerksamkeit oder eine parallele Handlung frei. Das Anziehen eines T-Shirts erfordert eine gewisse Balance im Sitzen. Erst wenn diese gegeben ist und der Patienten nicht mehr damit beschäftigt ist sich festzuhalten, hat er Ressourcen, seine Körperabschnitte adäquat zum Kleidungsstück zuzuordnen.
  • Automatisierte Bewegungsabläufe sind die Grundlage für flüssigere Handlungsabläufe. Aber: „Masse ist nicht Klasse!“ Manche Bewegungsabläufe erlernt der Patient durch seinen Wunsch nach Selbständigkeit sehr schnell, führen ihn aber langfristig in eine Sackgasse. Dies sei an einem Beispiel verdeutlicht. Versucht der Patient sich mit Hilfe des Bettgalgens aufzurichten, benutzt er dazu die Beugemuskeln des Armes. In einem normalen Bewegungsablauf werden die Arme zum Stützen (Hochstemmen gegen die Schwerkraft ) oder die Bauchmuskeln zum Aufrichten benutzt. Trainiert der Patient das Aufrichten mit dem Bettgalgen, wird er nicht lernen ohne dieses Hilfsmittel hoch zu kommen. Auch beim Transfer wird dieser Patient die Idee haben, sich hoch zu ziehen. Deswegen wird er nicht die Fähigkeit erlangen ohne Hilfspersonen oder Griffe einen Transfer auszuführen. Ziel des Bobath-Konzeptes ist es, mit diesem Patienten eine Oberkörpervorlage zu erarbeiten. Diese ermöglicht ihm eine Gewichtsverlagerung auf die Füße, womit sein Gesäß frei wird für einen Schwenk.
  • Während des Kurses sind die Teilnehmer angehalten für den ihnen zugeteilten Patienten konkrete Nahziele zu formulieren. Diese Ziele werden mit dem Patienten abgestimmt. Am Ende des jeweiligen Kursteils wird überprüft, ob diese erreicht wurden. Durch positive Erfahrung erhält die Pflegekraft einen Motivationsschub, und integriert mit Freude und Spaß das Neuerlernte zukünftig in den Pflegealltag. Spürt der Patient, dass er sich leichter, flüssiger und harmonischer bewegt, arbeitet er motiviert mit. In dem Maße wie der Patient dies kann, baut die Pflegekraft schrittweise die Hilfestellungen ab und führt ihn so zu mehr Selbständigkeit und Partizipation (Teilhabe am sozialen Umfeld ).
  • Durch die Teilnahme an einem Bobath-Pflegekurs lernt der Teilnehmer den Pflegeprozess als Interaktion mit dem Patienten kennen. Gelingt es der Pflegekraft sinnvoll die Potentiale des Patienten im Handlungsablauf abzurufen, verbessert sie damit seine Funktionen und die Pflegekraft hat damit weniger Kraftaufwand zu leisten. Weiterhin erlernen die Pflegenden eine rückenschonende Arbeitsweise indem sie professionalisiert werden ihren eigenen Körper bei den Pflegetätigkeiten dynamischer einzusetzen anstelle der sonst recht statischen Arbeitshaltung.

In einer Zeit, in der mehr und mehr Stellenreduzierungen durch die Einschnitte der Gesundheitspolitik zu geringeren Zeitressourcen des Pflegenden führen, ist es von besonderer Wichtigkeit den Pflegenden mit Expertenwissen auszustatten. Dies führt dazu, dass die verbleibende Zeit mit dem Patienten effektiv für die Erarbeitung von Selbständigkeit genützt werden kann.