Definitionen

Therapeutisch aktivierende Pflege

Definition

Therapeutisch aktivierende Pflege bezieht sich auf Menschen mit Pflegebedarf und bildet die Grundlage für die Entwicklung von körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Sie bezieht die vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten ein, und stellt sie in einen sinnvollen Kontext. Die therapeutisch aktivierende Pflege ist gekennzeichnet durch einen Beziehungsprozess mit zielgerichteten Maßnahmen und Aktivitäten. Interventionen im Rahmen der therapeutisch aktivierenden Pflege sowie Zielsetzung derselben werden gemeinsam mit Patient*innen, dem Team und den Angehörigen geplant, durchgeführt und im Prozess evaluiert.

Therapeutisch aktivierende Pflege umfasst die Beziehungsebene und Handlungskompetenzen unter folgenden Aspekten

  • die Einschätzung der Selbstpflegefähigkeit und des Selbstpflegebedarfs
  • die Anleitung, Beratung, Begleitung und Unterstützung bei der Bewältigung aller Alltagsaktivitäten unter Berücksichtigung der Ziele des zu pflegenden Menschen
  • die Anpassung an die jeweils aktuelle Situation
  • die Stärkung der Motivation zur Eigenaktivität und Autonomie
  • die Gestaltung von Bewegungsübergängen und Positionen, so dass für den zu pflegenden Menschen Bewegung erfahrbar wird
  • die Vertiefung und Festigung von Handlungsabläufen durch Wiederholungen im Rahmen von Alltagssituationen
  • die individuelle Begleitung und Förderung zur Eigenverantwortung

Fazilitation

Fazilitation ist eine Technik, die dem interaktiven Lernprozess zur Erleichterung und Ermöglichung einer neuromuskulären Funktion bzw. Alltagsaktivität dient (BIKA®; 2015 (in Anlehnung an IBITA 2008).

Ziele der Fazilitation

  • Anbahnung bzw. motorische Kontrolle von Bewegung für Alltagsaktivitäten
  • Unterstützung des sensomotorischen Lernens durch das Angebot von verschiedenen Bewegungserfahrungen
  • Förderung, Einbindung der Bewegungsaktivität des/der Patienten*ìn während pflegerischer Handlungen

Fazilitation erfolgt durch den spezifischen Einsatz taktiler Informationen im sensomotorischen Dialog. Erleichternd kann verbaler Input, die gezielte Gestaltung des Umfeldes oder das Stellen einer Aufgabe sein. Fazilitation schließt eine Evaluation des Outcomes ein. Dies kann eine Anpassung der Maßnahme (des Angebotes) zur Folge haben.

Fazilitation ist eine Fachkompetenz, die auf die direkte positive Einflussnahme des zentralen Nervensystems für sensomotorisches Lernen zielt und damit den Patienten durch eine verbesserte Haltungskontrolle zu einer selektiven Bewegungsstrategie einlädt.

Als ein Alleinstellungsmerkmal des Bobath Konzepts wird die Fazilitation im interdisziplinären Team zur therapeutischen Aktivierung von Patient*innen eingesetzt.

Alltagaktivität

Definition

Alltag – sind die ständig wiederkehrenden Routinen eines Menschen zur Selbstversorgung und individuell persönlicher Lebensgestaltung in Abhängigkeit der emotionalen Situation und der persönlichen Prägung. Aktivität – ist das bewusste oder unbewusste motorische und/oder kognitive Tun.

Alltagsaktivität bedeutet im Sinne der therapeutisch aktivierenden Pflege, dass die Pflegepersonen im Kontext eines Pflegesettings die individuell bedeutsamen Routinen eines Menschen zur Selbstversorgung oder persönlichen Lebensgestaltung bekannt sind. Im Rahmen der therapeutisch aktivierenden Pflege stellen diese bedeutsamen Routinen die Ziele dar. Zur Erreichung der bestmöglichen Selbständigkeit müssen diese Ziele im Sinne der Aufgabenorientierung genutzt werden.

Aufgabenorientierung

Definition

Jede alltagsorientierte Handlung hat eine individuelle Bedeutung und kann auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden. Die Aufgabe bereitet die Haltungskontrolle/Gleichgewicht für die Bewegung vor. Die individuelle Motivationsschwelle eines Menschen mit seiner spezifischen Vorerfahrung, bereitet die Bewegung vor und ruft diese ab. Das zentrale Nervensystem wählt eine Strategie zur Lösung einer alltäglichen Handlung aus.